My Manic to be in the nature: Fontainebleau

Hey How,

wie angekündigt folgt ein Beitrag zu unserer Reise nach Fontainebleau oder auch einfach nur „Bleau“ gennant.

Kurz bevor es nach Bleau ging, besorgte ich mir noch Lektüre, um auf alles vorbereitet zu sein: „Bleau en Bloc“ von Johann Widmaier. Es ist sehr ausführlich, alle Bouldergebiete sind gut beschrieben, man findet GPS-Daten zum nächst gelegenen Parkplatz und andere hilfreiche Informationen für seinen Aufenthalt in Bleau. Aber fangen wir von vorne an: Wo liegt Fontainebleau? Was macht es zum Boulderparadis? Und warum stehen dort so verdammt viele Felsblöcke?

Fontainebleau ist eine französische Stadt, welche 55 km südlich von Paris liegt. Berühmt ist sie für ihr Schloss und natürlich für den 25 Hektar grossen Wald. Fontainebleau erhielt seinen Namen durch die Quelle „Fontaine-Belle-Eau“, die ganz in der Nähe der Stadt liegt.

Bekannt ist Fontainebleau als das grösste und beste Bouldergebiet weltweit und wird aus diesem Grund als Bouldermecca bezeichnet. Seit 1990 klettern die Bleausards (so nennen sich die „hiesigen“ Boulderer) in Bleau.
Auf ungefähr 100 Gebieten verteilt, findet man 10.000 bis 20.000 erschlossene Boulder in allen Schwierigkeitsgraden. Der Felsen besteht aus Sandstein und die Boulder sind meist in Parcours aufgeteilt, diese entstanden ab 1947. Jeder Parcours erhält eine Farbe passend zu seinem Schwierigkeitsgrad. So kann man den Parcours folgen oder gemütlich durch den Wald wandern und sich eigenständig für seine Boulderprobleme entscheiden.

Unsere Reise begann mit der Hinfahrt. Wie schon erwähnt, waren wir 4 Mann in einem PKW und der Platz im Kofferraum Mangelware. Warum? Das Crashpad! Wir hatten uns für ein Crashpad von „Black Diamond“ entschieden, Modell: Mondo. Gross, gut gepolstert und Testsieger. Leider brauchte dieses Crashpad 3/4 des Platzes im Kofferraum. Trotzdem fand alles Nötige seinen Platz und obwohl die hintere Reihe es kuschlig Eng hatte, kamen wir ohne Zwischenfälle in der kleinen Ortschaft „Grez-sur-Loing“ an. Wenn man auf seiner Fahrt den „Ring von Paris“ kreuzt, sollte man versuchen, diesen nicht während den Hauptverkehrszeiten zu passieren, d.h.: Morgens zwischen 7 Uhr und 9 Uhr und Nachmittags zwischen 16 Uhr und 17 Uhr. Ansonsten riskiert man einen Stau.

Unser Camping hiess „Les près“ und lag südlich von Fontainebleau. Beim einchecken bemerkte ich wie fantastisch gut, das ältere Pärchen an der Rezeption englisch sprach. Selbst für einen französisch Leihen sollte die Verständigung das kleinste Problem sein. Herr Camping zeigte uns den Stellplatz und wir bauten erstmal unsere Zelte auf. Nach einem schnellen Aufbau, gab es erstmal Kaffee für alle. Diese Aufgabe hatte ich unserem Captain Hook aufgetragen, welcher sich als kleiner Baristar entpuppte.

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Ich war sehr zufrieden mit dem Camping. Als wir an der Rezeption fragten, ein Feuer zu machen, durften wir es zwar nicht direkt, aber Herr und Frau Camping stellten uns gratis einen Grill zur Verfügung und darin durften wir uns ein Feuerchen machen. Fand ich sehr korrekt. Ansonsten war alles sehr sauber und die meisten Campingbewohner waren Kletterer. Zum Camping gehört ein kleiner See, an dem man Gratis angeln darf. Dass würde ich euch jedoch nicht empfehlen, denn ausser Algen, haben wir nur Dreck geangelt. Vor dem Camping fliesst aber der Fluss „Loing“. Dort darf man mit einer Angelerlaubnis angeln (10 Euro pro Tag/ 60 Euro für ein ganzes Jahr). Der einzige Nachteil des Campings waren die sanitären Anlagen. Kein Dreck, nicht ungepflegt, aber halt nur eine Anlage für den ganzen Camping. Wer nicht um 22 Uhr duschen möchte, steht an. Sehr gut war jedoch der Verkauf von Topos an der Rezeption, mit einem Preis von 32 Euro, war es zar kein „Schnapper“, aber definitiv eine Investition wert. Der Camping hatte leider keinen eigenen Laden, in dem man das nötigste kaufen konnte. An der Rezeption fand man zwar einige Getränke, Gasbubbeln, Duschgel,…, aber das war es auch schon. Also mussten wir uns zum nächsten Ort namens „Moncourt“ aufmachen. Dort gab es einen „Intermarché“ (Französische Einkaufswarenkette), dort bekam man dann aber wirklich ALLES was man brauchte. Der Camping hat uns für 4 Personen, ein Auto, zwei Zelte, 3 Nächte und ohne Strom 15,90 pro Person gekostet. Das nenn ich mal n‘ „Schnapper“. Also Preis/Leistung stimmte auf jeden fall.

Nach 4 Stunden schlaf, 5 Stunden Autofahrt und 2 Stunden Aufbau und Kaffeeklatsch, fing unser erster Bouldertag in Bleau an. Wir entschieden uns für das Gebiet „Les trois pignons“. Nach 30 Minuten Fahrt kamen wir, dank GPS Koordinaten, ohne Umwege auf dem Parkplatz an. Wir schnappten uns das Crashpad und unser Picknick und kletterten zum ersten Mal in Bleau. Die ersten Boulder gingen uns noch leicht von der Hand und wir lösten ein Problem nach dem anderen.

Ich mochte das Gebiet von „Trois pignons“. Ein lichter Wald, relativ gute Absprungmöglichkeiten, schwere und einfache Boulder nur einen Katzensprung von einander entfernt. Im Nachhinein fand ich heraus das ich an dem Tag meine schwierigste Route geklettert bin und zwar eine 5C.

DSC00125An unserem zweiten Tag, ging es gut gestärkt von „Speck und Ei“ in das nächste Gebiet: „Elephant“. Berühmt und benannt durch einen Felsen der einem  Elefanten ähnelt (siehe Foto). Durch den ganzen Andrang vor Ort, hatten wir leider nicht die Gelegenheit am „Elephant“ zu bouldern. Nach „Trios Pignons“ mein zweit liebstes Gebiet. Der sandige Boden gibt einem den Eindruck im Strandurlaub zu sein, vereinfacht den Absprung und läd zum „chillen“ ein. Das Gebiet liegt offen und bei Sonne kann es ganz schön warm werden. Hier erlebten wir auch die hervorragende Aufsichtspflicht zweier Elternpaare.

In Bleau findet man viele Familien. Es lohnt sich auch. Ich kann mir sehr gut vorstellen dort auch einmal Urlaub mit meinen Kindern zu machen. Trotzdem sollte jedem bewusst sein, dass wenn man Kinder hat, es sich nicht mehr um sein eigenes Klettervergnügen geht. Aber manchen Eltern ist ihr eigenes Klettervergnügen, dann anscheinend wichtiger, als die Gesundheit ihrer Kinder.

So kletterte unser Captain Hook gerade eine Route, als unter ihm zwei blonde Schöpfe unter dem Felsen hervor gekrochen kamen. Trotz der Gefahr mussten wir ein wenig schmunzeln. Wir erklärten den Kindern, die Gefahr bei ihrer Höhlenaktion, doch leider ohne Erfolg. Geschlagene 5 Minuten später kamen sie wieder aus dem selben Loch geklettert. Machtlos gegen die Kinder, genossen wir weiterhin mit ein bisschen Musik die Sonne und beobachteten unsere Kletterkollegen bei ihren Boulderproblemen. Doch plötzlich hörte ich jemanden schreien. Nachdem ich die Musik ausgestellt hatte, war ich mir sicher: „Da schreit ein Kind“. Unsere Kollegen hatten die Schreie auch schon vernommen und so schwirrten plötzlich alle in Panik um den Felsen herum. Ich steckte meinen Kopf in die Spalte, aus der die Kinder vorher heraus gekrochen waren und sah den einen blonden Jungen: „Ich häng fest, ich komm nicht mehr weg“. Ich beruhigte den kleinen und überlegte: „Was tun?“. Unser anderer Kumpel hatte sich dem Jungen von der anderen Seite genährt und fing an beruhigend mit dem kleinen Mann zu reden und ihn zu befreien. Plötzlich kam es mir in den Sinn: „Die Eltern!“. Ich schnappte mir der/das/die andere Kind (ich bin mir bis heute nicht sicher, welches Geschlecht es hatte): „Wo ist eure Mama? Kannst du mich zu ihr bringen?“. Ich denke die Mutter war aufmerksam geworden, dass jemand Fremdes mit ihrem Kind rum lief und kam gemütlich angetrottet. Ich erklärte die Situation und sie begleitet mich zum Unfallort. Dort wurde der andere kleine gerade befreit und es wurde schlimmes befürchtet. Gott sei dank, war der eingeklemmte Fuss heil geblieben und der Junge war unversehrt hinaus gekommen. Und dann sagt die Mutter: „Ohhh habt ihr Höhlenforscher gespielt?“.

Muss ich das kommentieren? Wirklich? Geschmunzelt wurde nicht mehr.

Als wir das Gebiet verliessen kam uns ein anderes Pärchen entgegen: Auf der Suche nach den Eltern der selben zwei Kinder. So viel zur Aufsichtspflicht.

An unserem dritten Tag ging es nach „Bas Cuvier“, auch ein sehr angenehmes Gebiet zum bouldern. Es ist auch ein sehr schöner Wald mit vielen Boulderproblemen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Leider waren wir alle schon sehr erschöpft, ausser mein Liebster. Dank seinem Durchhaltevermögen, sind wir nicht zurück zum Camping, sondern machten eine mehrstündige Pause während mein Freund fröhlich weiter kletterte. Wir verbrachten die Zeit damit unsere Arme und Hände zu schonen. Es war trotzdem ein sehr anstrengender Tag, auf Grund des Wetters: Sonne, Regen, Sonne, Regen, Sonne, Regen,… u.s.w.

An diesem Tag bemerkt ich, wie wichtig warme Klamotten sind. Denn wenn man pausiert, bewegt man sich meist wenig. Dann ist es wichtig das man sich warm einpacken kann, damit man nicht zu kalt bekommen. Sonst muss man sich wieder gut aufwärmen bevor man effektiv am Felsen klettern kann.

IMG_2687Unser vierter Tag führte uns zu einem Gebiet  Namens „Malesherbes“  genauer noch in den Teil der sich „Piscine Rouge“ (Buthiers Piscine -Massive de L’I) nennt.  Beim begutachten der Felsen, bemerkten wir schnell WARUM, dieser Teil „Piscine Rouge“ gennant wird. Denn literarisch übersetzt heisst es: „rotes Schwimmbad“ bzw. „Blutbad“. Die Felsen waren teilweise so hoch, das Bohrhaken befestigt wurden und die Absprungmöglichkeiten waren mit Felsen übersät. Ja, es war eindeutig gefährlich und ein Blutbad.

Da es unser letzter Tag war und wir nur einige Stunden zum bouldern vor der Heimreise hatten, entschieden wir uns zurück zum Gebiet „Elephant“ zu fahren. Dies hatte uns allen sehr gut gefallen, lag auf dem Rückweg zum Camping und wir waren uns sicher, dort noch ein paar schöne letzte Stunden zu verbringen. Und so war es auch. Leider waren wir alle schon sehr kaputt. Unsere Arme schmerzten und auch andere Körperteile. Meine Knie waren blau und meine Arme übersät mit Schürfwunden, aber das war schlussendlich alles egal.

Alles in allem war „Fontainebleau“ eine gelungene Reise und es war hundertprozentig nicht unser letzter Besuch. Es gibt noch so viel zu klettern, Routen zu beenden die man nicht geschafft hat, neue Gebiete zu entdecken,…Meine Erwartungen wurden nicht nur eingehalten, sondern übertroffen.

Einige Tipps:

  • Eine Fussmatte um die Schuhe vor dem klettern zu säubern. Haben wir im Intermarché für 3,20 Euro ergattert.
  • Warme Schlafsäcke und eine gute Unterlage. Da wir im April dort waren, waren die Nächte sehr kalt.
  • Trockenshampoo oder Föhn: Da ich sehr dickes und dichtes Haar besitze, war es keine gute Sache am ersten Abend meine Haare zu waschen. Ohne Föhn konnte ich diese nicht trocknen und musste die ganze Nacht frieren. Tja, 90 Prozent der Körperwärme geht über den Kopf. Oder man wäscht sie morgens oder duscht erst morgens. Aber da ich mich nach einem langen Tag im Felsen immer sehr dreckig fühlte, kam das für mich nicht in Frage.
  • Mülltüten: Bitte nehmt euch pro Tag eine Mülltüte mit und lasst euren Müll nicht vor Ort liegen. Es gibt keine öffentlichen Mülleimer, dafür werden euch alle Gebiete gratis zur Verfügung gestellt. Wenn wir trotzdem anfangen die Natur zu verschandeln, wird es irgendwann kostenpflichtig oder die Gebiete werden gesperrt. Es liegt an uns allen!

Danke für eure Aufmerksamkeit,
es bedankt und verneigt sich,
Lory


Quellen:

 

 

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